Mongolische Rennmäuse gehören zu den Tierarten, von denen es möglich ist, auch ihre wilden Ahnen zu halten, sofern man sie bekommt. Sie werden weit
seltener gehalten und gezüchtet als die quasi domestizierten Farbvarianten bzw. Farbmongolen.
Dabei weisen sie eine ganze Reihe von Vorzügen auf, auf die ich später noch zu sprechen komme.Die Wilden Ahnen oder
auch Wildmongolen, wie sie genannt werden, sind Rennmäuse, die entweder direkt aus ihrer Heimat stammen, also in der Mongolei oder in China wild gefangen wurden und hierher zu uns importiert wurden oder in Menschenobhut
geborene Nachzuchten dieser Wildfänge.
Die “Wurzeln” unserer Heimtiere und das “wilde Blut” mitsamt seinen Eigenschaften interessieren mich aus biologischer Sicht sehr. Das gleiche gilt für die Beobachtung und
Vergleichen der verschiedenen Stämme und ihrer Eigenschaften. Das geht über eine Hobbyzucht hinaus, und ist schon eher “biologische Forschung”.
Bei den meisten Haus-oder Heimtierarten ist es ja so, daß die
domestizierte Form alle guten Eigenschaften für eine Haltung in Menschenhand bietet: sie sind besonders zahm, wenig aggressiv, sehr fruchtbar und ihr “Wildtierverhalten” hat sich z.T. verrringert durch die lange Zucht
in Menschenhand. Ein Hund ist z.B. wesentlich leichter zu halten als sein Stammvater Wolf.
Oder Haushühner sind viel unkomplizierter als ihre wilden Ahnen, die indischen Bankiva-Hühner.
Das Faszinierende aber ist,
daß es bei den Rennmäusen umgekehrt ist! Daß nämlich die Wildmongolen bessere Eigenschaften haben und leichter zu halten sind, dabei robuster und vitaler sind als ihre domestizierten Verwandten! Das ist ein Ding!
So
sind die Wilden ruhiger und weniger hektisch, sie hängen fast nie buddelnd und scharrend in der Käfigecke.
Sie sind verträglicher, es gibt so gut wie keine Aggressionen innerhalb des Rudels. Auch fremde Artgenossen
lassen sich leichter zusammengewöhnen als bei den Farbmongolen.
Ihr Verhalten ist weniger “aufdringlich”, zeigt aber eine breitere Palette als das der normalen Renner.
“Wild” bezieht sich mehr auf ihre Abstamnung
als auf ihr Verhalten, denn sie sind genauso zutraulich wie andere Rennmäuse.
Sie sind sehr vital und kennen nicht die Probleme, unter denen Farbmongolen manchmal leiden, wie Verdauungsprobleme oder Erbleiden.
Und
zuguterletzt vermehren sich Wildmongolen langsamer und bekommen kleinere Würfe, was für einen Hobbyzüchter durchaus ein Vorteil sein kann.
Seit ich dies selber erkannt und erfahren habe, sind die Wilden meine
Favoriten.
Bevor ich dies alles wusste, hatte ich das große Glück, zu einem Stamm Wildmongolen zu kommen, und zwar ganz unbeabsichtigt und auch gar nicht geplant. Nun bin ich aber heilfroh, daß ich sie habe, s.o.!
Es sind nämlich diese Tiere, die ich aus der Futtertierzucht eines Zoos bekam und sofort sah, daß es “andere” Rennmäuse waren als die “normalen”. Es waren 3 Männchen und 2 Weibchen.
4 Monate lang tat sich gar nix, die
armen Dinger mußten sich wohl erst an ein besseres Leben bei mir gewöhnen und erholen, bis sich nach dieser Zeit endlich der ersehnte Nachwuchs einstellte. Seither züchte ich diese Wildtiere in reiner Linie. Ich bin mir
ziemlich sicher, daß es sich um eine sehr alte Wildfanglinie handelt, weil sie schon lange Zeit dort so gezüchtet werden. Das macht sie noch interessanter, denn damit sind sie genetisch noch weiter von den “heutigen”
Wilfgangnachzuchten entfernt. Für mich haben die Tiere dieser Linie einen unschätzbaren Wert!
Im November 2005 bekam ich aus einer Hobbyzucht 3 Brüder einer anderen Wildfanglinie dazu, so daß ich nun 2 völlig
verschiedene und nicht verwandte, rein gezogene und reinerbige Wildfanglinien habe, worauf ich sehr stolz bin!
Im Dezember 2005 stellte sich der erste Nachwuchs aus einer Verbindung der beiden Linien (also meiner und
der der 3 Böcke) ein.
Jetzt (Februar 2006), wo diese Jungen ca. 5 Wochen alt sind, ist ihre Vitalität sehr deutlich.
Auch ihre Größe ist beachtlich: sie sind für ihr Alter außerordentlich groß und gut entwickelt.
Mit solchen Tieren werde ich weiterzüchten.
Dazu kamen im Januar 2006 noch 2 Weibchen, die vermutlich mit den 3 Männchen über einige Ecken verwandt sind. Auf jeden Fall sind auch diese reine
Wildfangnachzuchten.
Ich kann die Wildmongolen sehr empfehlen, egal ob für die Zucht oder Einkreuzung oder einfach zur Haltung.
Siehe unter Abgabetiere Rennmäuse.